Zecken

Keiner mag die Zecken. Obwohl sie bluthungrig ist, kann sie lange auf Nahrung verzichten und überlebt dennoch. Ein Waschgang mit Buntwäsche bei 40°C inklusive Schleudergang bedeutet nicht ihr Ende. Und obwohl Zecken Landtiere sind, können sie auch unter Wasser bis zu drei Wochen überleben und sich dort sogar noch weiterentwickeln. Deshalb ertrinken sie auch nicht, wenn man sie in der Toilette entsorgen will. Im Gefrierfach wird es für die wiederstandsfähigen Blutsauger erst ab minus 8°C so richtig ungemütlich. Ganz sicher hauchen sie ihr Leben erst bei einem 24stündigen Gefrierdurchgang bei minus 20°C aus.

Das alles sind Ergebnisse eines von Wissenschaftlern durchgeführten Zeckenhärtetests. Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass infizierte Zecken Kälte und Hitze sogar noch besser überleben als Zecken, die nicht infiziert sind. Sie haben ein regelrechtes Frostschutzmittel im Blut, das es ihnen erlaubt, auch niedrige Minusgrade zu überstehen. Mit dem Borreliose-Erreger befallene Zecken reagieren dagegen weniger empfindlich auf Wärme und Trockenheit als nicht infizierte Zecken. Das bedeutet, dass sowohl in kalten als auch in warmen und trockenen Monaten der Anteil riskanter Zecken höher sein kann als zu diesen Jahreszeiten zu erwarten wäre.

   

Zecken können sowohl auf Menschen wie auch auf Tiere gefährliche Krankheiten übertragen. Daher sollten Haustiere, bevor sie wieder in die Wohnung kommen auf Zecken untersucht und mit Zecken abwehrenden und abtötenden Maßnahmen geschützt werden. Beim Hund sticht die Zecke bevorzugt in die Schenkel- und Ellbogenfalte, Ohrränder, Schnauze sowie zwischen den Zehen.

Neben der in unseren Breiten gängigsten Zeckenart - dem Holzbock - haben sich in den letzten Jahren vermehrt auch andere Zeckenarten bei uns etabliert. Dazu gehören die Auwaldzecke und die aus dem Mittelmeerraum stammende Braune Hundezecke. Letztere hat die unangenehme Eigenschaft, dass sie sich nicht im Wald oder dichtem Gestrüpp aufhält, sondern sich zumeist in Wohnungen und Häusern vermehrt und dort den Winter übersteht. Die meisten Zeckenarten bevorzugen jedoch Waldregionen mit dichtem Unterholz als Lebensraum. Auch Parkanlagen sind oft von Zecken bevölkert und sogar der heimische Garten kann durchaus als Zeckenbiotop dienen. Dort warten sie dann auf ihre Opfer.

 

Zecken als Krankheitsüberträger für Haustiere

Der Stich einer Zecke ist praktisch schmerzlos und wird daher in den seltensten Fällen wahrgenommen. Problematisch ist, dass Zecken mit ihrem Stich beziehungsweise während des Blutsaugens auch Krankheitserreger auf Mensch und Tier übertragen können. Alle Katzenbesitzer wissen zum Beispiel, dass ihre Lieblinge Zecken mit nach Hause bringen können. Aber im Gegensatz zu Hunden werden Katzen wesentlich seltener durch Zeckenstiche mit Krankheitserregern infiziert. Die Gründe für dieses Phänomen sind nicht eindeutig geklärt: Möglicherweise ist es die verbesserte Fell- und Körperpflege gegenüber Hunden, so dass Zecken früher beseitigt werden können. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Katze bei ihren Streifzügen seltener die Brutstätten der Zecken (Wald- und Auengebiete) aufsucht. In jedem Fall sind die gefährlichen Infektionen von Mensch und Hund wie Borreliose, Babesiose oder auch FSME bei Katzen nur sehr selten entdeckt worden.

Borreliose
Das Bakterium ist in ganz Europa verbreitet. Auch in Deutschland kommt die Borreliose flächendeckend vor. Die Infektionsrate der Überträgerzecken (Holzbock) ist je nach Gebiet sehr unterschiedlich. Nach Schätzungen sind stellenweise bis zu 50 Prozent der Zecken infiziert. Die Infektionserreger sind Borrelia-Bakterien. Die Bakterien breiten sich nach dem Zeckenstich über den Blutkreislauf im gesamten Körper des Hundes aus und können Organe, Gelenke und das Nervensystem befallen. Bei Hunden und Katzen verläuft die Borreliose meist ohne ernsthafte Symptome. Allerdings kann der Hund an einer schmerzhaften Arthritis erkranken. Man geht davon aus, dass jeder dritte Hund sich irgendwann in seinem Hundeleben mit dem Erreger infiziert hat und Antikörper gegen Borrelien gebildet hat. Eine Impfung für den Hund gegen die Borreliose ist möglich. Wichtig sind vorbeugende Maßnahmen zur Vermeidung eines Zeckenstichs durch den Holzbock.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird durch Viren ausgelöst, die durch den Stich des Holzbocks übertragen werden. Die Zahl infizierter Zecken in Hochrisikogebieten wird auf etwa ein bis vier Prozent geschätzt. In allen Gegenden, in denen ein Infektionsrisiko für den Menschen besteht, ist auch der Hund gefährdet. Anders als beim Menschen kommt es bei Hunden nur zu einer Erkrankung, wenn andere schwächende Faktoren hinzukommen. Bisher sind klinische FSME-Fälle nur bei großen Hunderassen beschrieben worden, die unbehandelt meist tödlich verliefen. Dabei kommt es zunächst zu Fieber, bevor neurologische Störungen einsetzen, wie epileptische Anfälle, Übererregbarkeit, Bewusstseinstrübung, Schmerzen, Bewegungsstörungen oder Reflexbeeinträchtigungen. Ein Impfschutz gegen das FSME-Virus wie beim Menschen existiert zurzeit nicht, daher sollten stattdessen vorbeugende Maßnahmen gegen den Zeckenbefall durchgeführt werden.

Babesiose
Eine Krankheit, die bei den Hunden zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist die Babesiose (auch als Hundemalaria bekannt). Babesia canis ist ein kleiner, einzelliger Parasit, welcher von Zecken während ihrer Blutmahlzeit in die Einstichstelle übertragen wird. Diese Einzeller dringen in rote Blutzellen ein und vermehren sich dort. Dabei gehen die Blutzellen zugrunde und es entstehen Entzündungs- und Abwehrreaktionen, welche für den Hund gefährlich werden können. Befallene Tiere zeigen unspezifische Krankheitssymptome wie Fieber, Blutarmut und Schwächezustände. Dem Hundebesitzer fallen oft blasse oder gelbe Schleimhäute und dunkelroter bis brauner Urin auf. Es können auch entzündliche Veränderungen der Augen sowie Netzhautablösungen auftreten. Im weiteren Verlauf kann das Zentralnervensystem geschädigt werden. Dann können Bewegungsstörungen und epileptische Anfälle auftreten. Erkrankte Tiere müssen umgehend tierärztlich behandelt werden. Vor noch nicht allzu langer Zeit galt diese Krankheit als typische Reisekrankheit. Das heißt, Hunde, welche in Mittelmeerregionen mitgenommen wurden, erkrankten gelegentlich daran, nachdem sie von den dortigen Zecken gestochen worden waren. Nun sind mit der Auwaldzecke und der Braunen Hundezecke auch bei uns Zeckenarten heimisch geworden, welche als Überträger der Hundebabesien gelten.

Anaplasmose
Die Anaplasmose wird durch das Bakterium Anaplasma phagocytophilum hervorgerufen. Die Erreger befallen weiße Blutzellen und vermehren sich in ihnen. Übertragen werden die Anaplasmen durch den Holzbock. Grundsätzlich besteht also fast überall die Gefahr einer Übertragung. Krankheitsanzeichen der Anaplasmose beim Hund sind unter anderem plötzlich einsetzendes hohes Fieber, Teilnahmslosigkeit, Gewichtsverlust, Durchfall und Erbrechen, aber auch Gelenkentzündungen und zentralnervöse Störungen. Da oft auch Borreliose-Erreger in den Zecken vorhanden sind, können beide Erregertypen während eines Zeckenstiches in den Hundekörper gelangen. Dies erschwert die Zuordnung der beobachteten Krankheitssymptome. Die Infektion verläuft in der Regel nicht chronisch, kann aber erneut auftauchen, wenn das Immunsystem des Hundes in den Monaten nach der Infektion geschwächt ist. Zur Diagnose und Behandlung muss der Tierarzt aufgesucht werden. Ein Impfschutz gegen Anaplasma-Bakterien existiert zurzeit nicht, daher sollten stattdessen vorbeugende Maßnahmen gegen den Zeckenbefall durchgeführt werden.

Ehrlichiose
Die Ehrlichiose, genauer gesagt das Bakterium Ehrlichia canis, wird nach derzeitigem Wissensstand in Europa nur von der Braunen Hundezecke übertragen. Diese ist ab Zentralfrankreich südwärts im Mittelmeerraum sowie in Portugal heimisch. Ein besonderes Risiko geht deshalb von Zecken aus, die aus einem südlichen Urlaubsland als unerwünschtes Souvenir mitgebracht werden. Sie können monatelang in warmen Verstecken etwa in der Garage oder Wohnhäusern überleben. Die Ehrlichien befallen weiße Blutzellen, in denen sie sich vermehren. Eine Ehrlichiose beginnt beim Hund meist "schleichend" und es kann mitunter Jahre dauern, bis die Krankheit ausbricht. Erkrankte Hunde zeigen zuerst unspezifische Symptome wie Abgeschlagenheit und Fieber. Im weiteren Verlauf der Erkrankung tritt eine erhöhte Blutungsneigung auf, die sich zum Beispiel durch Nasenbluten äußert. Ein Impfschutz gegen Ehrlichia-Bakterien existiert zurzeit nicht, daher sollten stattdessen vorbeugende Maßnahmen gegen den Zeckenbefall durchgeführt werden.

Zeckenparalyse
Das Speichelsekret vieler Zecken, zu denen auch Schildzecken und die Braune Hundezecke gehören, enthält Nervengifte, um das Gewebe beim Zeckenstich zu betäuben. In manchen Fällen, die von der Zeckenart, aber auch von Zustand und Immunsystem des Opfers abhängen, kann das Nervengift eine lähmende Wirkung haben und zur Paralyse führen. Es ist nicht bekannt, welche Faktoren die Ausbildung giftigen Zeckenspeichels beeinflussen. Da viele Zecken eine paralytische Reaktion erzeugen können, kommt die Paralyse prinzipiell überall vor, aber sie wird nur selten beobachtet. Die Symptome bessern sich auch meist schnell, wenn die giftige Zecke entdeckt und entfernt wird.

Was noch zu tun ist!
Zecken sollte man sofort entfernen. Das ist nicht einfach, denn die kleinen Blutsauger sind im Fell von Hund und Katze nur schwer auszumachen. Erst vollgesogene Exemplare, die auf etwa einen Zentimeter Größe heranwachsen, sind mit dem Auge gut zu erkennen. Nahezu unmöglich ist es, die frühen Entwicklungsstadien der Larven und Nymphen zu finden. Doch auch diese stechen schon zu, da sie für jeden Wachstumssprung eine Blutmahlzeit benötigen. Hunde- und Katzenhalter sollten besonderen Wert darauf legen, ihre Tiere mit zeckenabwehrenden und abtötenden Produkten zu schützen. Gegen die Borreliose Erreger, die vom „Gemeinen Holzbock“ übertragen werden, können Hunde auch geimpft werden.

Zecken als Krankheitsüberträger für Menschen
Zahlreiche Erreger - sowohl Viren, Bakterien als auch Parasiten - werden durch Zecken übertragen und können zu schweren Erkrankungen auch bei Menschen führen. Generell hat die Bedeutung der von Zecken übertragbaren Krankheiten erheblich zugenommen. Erreger, die bereits in der Tiermedizin hinlänglich bekannt sind, werden neuerdings zunehmend auch beim Menschen identifiziert.