Entwicklungsphasen des Welpen

Auf dem Weg zum Erwachsenwerden durchläuft der Welpe beziehungsweise Junghund mehrere Phasen. Neben der bekannten Präge- und Sozialisierungsphase gehört dazu auch die berühmtberüchtigte Pubertät. Doch es gibt noch mehr Entwicklungsphasen. 

Vegetative Phase
Die erste beginnt bereits direkt nach der Geburt und heißt Vegetative Phase. In dieser ersten und zweiten Woche passiert noch nicht sehr viel mit dem kleinen Kerl: Augen und Ohren sind geschlossen, der Geruchssinn wenig ausgeprägt. Er ist fast nur mit Trinken und Schlafen beschäftigt.

 

 

 

Übergangsphase
Ein wenig wahrnehmen kann er seine Umgebung erst in der so genannten Übergangsphase in der dritten Woche. Um den 17. Lebenstag herum lernt der Welpe langsam das Sehen und hört nun auch. Jetzt nimmt er Notiz von seinen Geschwisterchen und auch von ersten Außenreizen.

 

 

Sozialisierungsphase
In der Sozialisierungsphase (8. bis 16. Woche) lernt der Hund, sich in seiner Umgebung zurechtzufinden. Sie als Hundeeltern haben die Aufgabe, Ihren Kleinen nun fit fürs Leben zu machen. Neue Geräusche und viele Eindrücke gilt es dem Welpen zu präsentieren, ohne ihn dabei zu überfordern. Da er in dieser Zeit besonders gut lernt, kann man erste kleine Übungen machen und ihn mit vielen Menschen und anderen Tieren zusammen führen – wichtig sind die positiven Erlebnisse dabei. Konsequenz von Anfang an ist bedeutend, denn in der Sozialisierungsphase sucht der Knirps auch seinen Platz im Rudel und wird auch versuchen, Ihre Grenzen auszutesten.

Warum diese Phase so wichtig für uns ist:
Wer einen Welpen zu sich nimmt, der hat eine große Aufgabe: Er muss ihm die Welt zeigen. Maßvoll dosiert sollte er mit seinem kleinen Hund gemeinsam die verschiedensten Situationen entdecken und erleben, ihm andere Menschen vorstellen und natürlich auch möglichst viele Artgenossen. Unter einer gelungenen Sozialisierung versteht man eine Summe von positiven Erlebnissen, die der Welpe macht. Durch diese lernt er, souverän durchs Leben zu gehen – eine enorm wichtige Grundlage. Neben verschiedenen anderen Entwicklungsphasen ist die Sozialisierungsphase dabei ganz besonders wichtig.

Wissen und Konsequenz für die Sozialisierungsphase:
Die Sozialisierungsphase ab der 8 bis zur 16 Woche löst die Prägungsphase ab. Das hier Geprägte muss jetzt in allen Feinheiten erfahren und erprobt werden. Deswegen sollten Menschen, die den Wunsch haben, sich einen Hund ins Haus zu holen, sich schon im Vorfeld mit dem Thema Sozialisierung auseinandersetzen. Diese Phase erfordert vom Menschen Wissen, Verantwortung, Klarheit, Konsequenz, gesunde Autorität, Lust und Freude am Spiel und vor allem viel Zeit.

Die Erziehung beginnt:
Im Hundefamilienverband haben Welpen bis Ende der Prägungsphase viel Narrenfreiheit. Mit Beginn der Sozialisierungsphase ändert sich das schlagartig. Jetzt beginnt für sie die Erziehung. Das ist auch unbedingt nötig, denn sie müssen sich ja später in das intakte Rudel eingliedern. Von den älteren Hunden werden nun ganz klare Grenzen gesetzt und Tabus erhoben und diese auch mit disziplinarischen Maßnahmen ganz hart durchgesetzt. Diese wichtige Zeit im Leben verbringt der Welpe jetzt bei einem Menschen. Absolute Konsequenz ist nun bei der Erziehung oberste Priorität. Aber es gilt nicht nur den Welpen zu erziehen – er muss nun auch die verschiedensten neuen Situationen und Dinge kennenlernen.

Begegnungen mit Menschen, Tieren, Sensationen:
Die Sozialisierung auf Menschen gehört mit zum Wichtigsten, das Ihr Welpe in der Sozialisierungsphase lernen muss. Achten Sie darauf, dass Sie den ersten Kontakt des fremden Menschen zu Ihrem Welpen herstellen, Ihr Welpe soll sich schließlich nicht überfallen oder bedrängt fühlen. Findet dann aber z.B. ein schönes Spiel oder aber eine ausgiebige Schmuseeinheit statt, wird Ihr Welpe bestimmt begeistert dabei sein. Der Kontakt mit ihrerseits gut sozialisierten Artgenossen ist von großer Bedeutung. Aber auch möglichst viele neue Situationen darf der Kleine kontrolliert kennen lernen. Wichtig ist, dass er so viele positive Erlebnisse wie möglich bekommt. Machen Sie die Sozialisierungsphase zum gemeinsamen Abenteuer!

Prägephase
Eine ganz wichtige Zeit ist die sich anschließende Prägephase von der vierten bis zur siebten Woche. Diese gilt es optimal zu nutzen, da in dieser Zeit die Persönlichkeit des Welpen definiert wird. Er kann nun hören, sehen, riechen und lernt Eindrücke zu verwerten. Daher ist es ganz wichtig, dass diese in dieser Phase vielfältig sind, damit sich der kleine Hund zu einem gefestigten und angstfreien Erwachsenen entwickelt. Mit den anderen Welpen tollt er nun herum, misst sich mit ihnen und lernt die Spielregeln in einem sozialen Gefüge – ganz wichtig für seine spätere soziale Kompetenz.

Mehr:
Viele wichtige Grundlagen für das spätere Verhalten eines Hundes werden in der Prägephase gelegt. Sie ist eine der Entwicklungsphasen des Welpen und findet ca. zwischen der vierten und achten Lebenswoche statt. Umso wichtiger ist es, falls Sie mit dem Gedanken spielen einen Welpen vom Züchter zu nehmen, nur ein Hundekind aus verantwortungsvoller Zucht auszuwählen. Denn was in dieser Zeit im Gehirn gespeichert oder auch nicht gespeichert wird, bleibt für das gesamte Leben erhalten. 

Was bei der Prägephase im Gehirn passiert
Was in dieser Zeit im Gehirn passiert, lässt sich so vorstellen: Im Gehirn öffnen sich immer wieder neue, sogenannte „Zeitfenster“. In diesen Zeitfenstern wird Erlebtes, oder Nichterlebtes durch sofortiges Verbinden der Nervenenden miteinander verknüpft. Auf diese Verknüpfungen greift das Tier zeitlebens zurück und reagiert auch später entsprechend. Dieses Wissen über den Ablauf der Prägephase im Leben eines Welpen ist für einen Züchter, der menschenbezogene und mit Artgenossen gut verträgliche Hunde abgeben möchte, unbedingt Voraussetzung. Je mehr Verknüpfungen entstehen, desto besser!

Prägung auf möglichst verschiedene Reize.
Während der Prägephase ist daher wichtig, dass der Welpe andere Artgenossen beziehungsweise Tiere, verschiedene Menschen sowie diverse Außenreize wie Geräusche kennenlernt, um später angstfrei und gefestigt durchs Leben gehen zu können. Der Welpe sollte jetzt die Möglichkeit haben, vieles ausprobieren zu können. Es ist daher ungeheuer wichtig, dass der Wurf nicht im Zwinger aufwächst, sondern Teil des Lebens seiner Züchter ist. Und er sollte auch nach draußen dürfen.

 Züchter bewusst aussuchen
Suchen Sie daher den Züchter bewusst aus. Fragen Sie nach, wie die Welpen aufgezogen wurden und welche Reize sie kennen lernen durften. Schauen Sie sich an, wo sich der Wurf aufhalten darf und gucken Sie, ob die Kleinen neugierig und ohne Angst auf Sie reagieren. Denn wer einen Welpen zu sich holt der eine optimale Prägephase hinter sich hat, der legt den Grundstein zu einer glücklichen Mensch-Hund-Beziehung!

 

 

Pubertät
Dies gilt besonders auch für die Pubertät (ab dem 7. Lebensmonat bis ungefähr zum 12. je nach Rasse). In dieser Phase wird so mancher wohlerzogene Hund vorübergehend zum Rüpel. Ähnlich einem pubertierenden Teenager versucht er, seine eigenen Wege zu gehen und neue Regeln aufzustellen. Alles, was bereits gut funktioniert hat, scheint vergessen. Wenn Sie Ihren „Jugendlichen“ mit liebevoller Konsequenz durch diese zugegeben etwas anstrengende Phase begleiten, gehört diese schon bald der Vergangenheit an. Der Rüde beginnt nun übrigens sein Beinchen zu heben und die Hündin wird zum ersten Mal läufig.


Reifungsphase
Die letzte Phase ist die so genannte Reifungsphase, vom 12. bis zum 18. Monat. Ihr Jungspund wird nun endgültig zum Erwachsenen. Nun wird sich herausstellen, ob die Präge- und Sozialisierungsphase optimal genutzt wurde. Aber auch in der Reifungsphase sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Hund weiter üben – denn schließlich lernt auch Ihr Hund nie aus!

 


 

 

 

 

 

 

©Text (auszugsweise): fressnapf Welpenclub